
Schlachtfeld 1636
Wittstock
Willkommen auf dem Schlachtfeld 1636 bei Wittstock – einem eindrucksvollen, historischen Ort des Dreißigjährigen Krieges. In der Weite der hügeligen Heide erzählen Landschaft, Fundstellen und Rekonstruktionen von einer der entscheidenden Schlachten des Jahres 1636. Ein Ort, an dem Geschichte im Gelände lesbar wird und die Spuren vergangener Konflikte sichtbar bleiben.
Eine Schlacht, die Geschichte schrieb
Im Herbst 1636 tobte nahe Wittstock eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges. Rund 45.000 Soldaten trafen hier aufeinander – Schweden gegen das kaiserlich-sächsische Heer. Tausende verloren ihr Leben, und das Schlachtfeld verwandelte sich in ein Chaos aus Rauch, Lärm und Tod. Die strategische Umgehungstaktik der Schweden führte schließlich zum Sieg – auf Kosten unzähliger Opfer.
Die Entdeckung im Gewerbegebiet
Mehr als 370 Jahre später, im Frühjahr 2007, machten Bauarbeiter südlich der Stadt eine sensationelle Entdeckung: ein Massengrab mit 125 gefallenen Soldaten. Die Männer waren dicht an dicht in Reihen bestattet, vermutlich von überlebenden Kameraden. Ihre Knochen zeigen Spuren schwerer Hieb-, Stich- und Schussverletzungen – Zeugnisse eines erbarmungslosen Nahkampfs. Die Funde erlauben heute Einblicke in das Leben der einfachen Söldner, das in keiner Chronik überliefert ist.
Wissenschaftliche Spurensuche
Mit der Entdeckung begann das größte deutsche Projekt zur Schlachtfeldarchäologie – einer jungen Forschungsdisziplin, die historische Ereignisse im Boden lesbar macht. Über 2.700 Funde, darunter Bleikugeln, Knöpfe und persönliche Gegenstände, erzählen von Herkunft, Ausrüstung und Alltag der Soldaten. Moderne Methoden aus Anthropologie, Forensik und Genetik halfen, die Lebensumstände der Männer und ihre letzten Stunden zu rekonstruieren – ein Stück Wissenschaftsgeschichte, das bis heute internationale Beachtung findet.
Ausstellung im Wasserspeicher
In unmittelbarer Nähe des historischen Schlachtfeldes befindet sich heute eine museale Präsentation in einem ehemaligen Hochwasserspeicher (auch Kaverne genannt). Dort zeigt das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) eine multimediale Ausstellung zur Schlacht von 1636, die hier ihr dauerhaftes Zuhause gefunden hat. Die Kaverne wurde eigens akustisch und räumlich aufbereitet – ein einzigartiges Erlebnis, das die Geschichte noch immersiver und spürbarer macht. Direkt daneben bietet ein Infopunkt mit Souvenirverkauf, Toiletten und buchbaren Führungen die Möglichkeit, den Ort und seine Geschichte weiter zu erkunden.
Ergänzend zur Ausstellung am Schlachtfeld vertieft das Museum des Dreißigjährigen Krieges Wittstock im historischen Bischofshof die Ereignisse von 1636 aus übergeordneter Perspektive. Die Dauerausstellung beleuchtet Ursachen, Verlauf und Folgen des Dreißigjährigen Krieges und ordnet die Schlacht bei Wittstock in den europäischen Kontext ein. Originalfunde, zeitgenössische Waffen, Karten, Modelle und anschauliche Inszenierungen vermitteln eindrucksvoll, wie sehr Krieg, Zerstörung und Umbrüche das Leben der Menschen prägten. Gemeinsam ermöglichen Museum und Schlachtfeld einen umfassenden Zugang zu einem der einschneidendsten Kapitel der Regional- und europäischen Geschichte.
Weiterführende Informationen zum Museum des Dreißigjährigen Krieges:
Information
Bohnekampweg 1636
16909 Wittstock/Dosse
Maps
Kontakt
Mail: touristinfo@stadt-wittstock.de
Tel.: 0152-54650431
Anreise und Parken
kostenlose Parkplätze sind vorhanden
ab Bahnhof Wittstock (RE 6) sind es 2,1 km (ca. 30 min. zu Fuß oder 10 min. per Rad)
Öffnungszeiten
Mai bis Oktober
Mittwoch-Sonntag: 10.00-16.00 Uhr
Ø-Aufenthaltsdauer: ca. 1 Std.
Zugang und Gelände
Eintrittspreise
Erwachsene: 3,00 €
Kinder: 1,00 €
Familienticket: 4,00 € (2 Erw., 2 Kinder)
Führungen sind nach vorheriger Anmeldung jederzeit möglich.
Toiletten sind im Info-Gebäude vorhanden.
Das Gelände ist teilweise unebene und teilweise rollstuhlgerecht.
Praktische Tipps
Die Ausstellung befindet sich in einem ehemaligen Hochwasserbehälter mit ca. 10-15 Grad Raumtemperatur. Bitte bedenken Sie dies bei der Wahl Ihrer Kleidung.
Epoche
17. Jahrhundert
Das 17. Jahrhundert war in Mitteleuropa geprägt vom Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), einem Konflikt, der religiöse Spannungen, Machtinteressen und Bündnispolitik miteinander verknüpfte. Ganze Regionen wurden verwüstet, Dörfer entvölkert, Handel und Landwirtschaft schwer getroffen. Für die Bevölkerung bedeutete die Zeit Hunger, Krankheit, Plünderungen und ständige Truppenbewegungen. Auch Brandenburg war stark betroffen. 1636 trafen hier am Scharfenberg bei Wittstock große Heere aufeinander – eine Schlacht, die zeigt, wie sehr das Land zum Durchmarschgebiet europäischer Mächte geworden war. Archäologische Funde erzählen von den Soldaten, ihrem Alltag, ihren Strapazen und den Folgen dieses Krieges, der das 17. Jahrhundert grundlegend prägte.




