Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Im Spiegel neuer Funde aus Brandenburg
Aktualisiert: 19. Mai
Am Dienstag, den 20. Januar 2026, luden die Zeitschätze Prignitz zum ersten Vortrag des neuen Jahres nach Lenzen ein. Um 19.00 Uhr versammelten sich Interessierte im Rathaus Lenzen, um einen spannenden Einblick in einen tiefgreifenden Umbruch der frühmittelalterlichen Geschichte zu erhalten.

In einem bildreichen und gut nachvollziehbaren Vortrag widmete sich Dr. Lukas Goldmann der Christianisierung zwischen Elbe und Oder – einem Prozess, der im 9. und 10. Jahrhundert weite Teile Nord- und Osteuropas erfasste. Während das Christentum in einigen Regionen rasch Fuß fasste, verlief seine Ausbreitung in den slawischen Gebieten östlich der Elbe deutlich konfliktreicher.
Dr. Goldmann zeichnete die politischen und religiösen Spannungen dieser Zeit nach: von den Missionsbestrebungen unter Karl dem Großen über die ottonische Reichspolitik bis hin zum Lutizenaufstand von 983, der die neu geschaffenen kirchlichen und herrschaftlichen Strukturen wieder zerstörte. Archäologische Funde aus Brandenburg zeigen eindrucksvoll, wie sich christliche und vorchristliche Vorstellungen überlagerten – und wie lange sich slawische Glaubenspraktiken in der Region hielten.
Zentrale Fragen wurden beleuchtet:
Wie verlief die Christianisierung der nordwestslawischen Stämme?
Inwiefern kann dieser Wandel archäologisch erfasst werden?
Was wissen wir über die vorchristliche Religion der Slawen?
Bedeutung für die Region
Gerade zwischen Elbe und Oder entstand über mehr als 150 Jahre ein außergewöhnlicher Raum: eine stammesgesellschaftlich organisierte, überwiegend heidnische Region, umgeben von christlichen Königreichen. Neue Grabungsbefunde, Siedlungsspuren und Bestattungen erlauben es heute, diesen Wandel differenzierter zu betrachten – jenseits schriftlicher Quellen. Der Vortrag machte deutlich, wie Archäologie dazu beiträgt, religiöse Umbrüche sichtbar zu machen und regionale Geschichte neu zu erzählen.
Rahmenprogramm
Der Vortrag stieß auf großes Interesse und eröffnete die Vortragsreihe der Zeitschätze Prignitz im Jahr 2026 mit einem starken thematischen Auftakt. Dr. Lukas Goldmann, Referent für das slawische Mittelalter beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum, stand im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Der Abend bot Raum für Austausch und Diskussion und machte deutlich, wie lebendig und relevant die archäologische Forschung zur Geschichte Brandenburgs ist.



