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„Stotzen und stân von golde an allen enden?“ Alltag und Repräsentation des Adels im Mittelalter

31. Jan.
2 Min. Lesezeit

Am Donnerstag, den 11. Dezember 2025, fand um 18.00 Uhr im Schloss- und Modemuseum Meyenburg ein ebenso fundierter wie anschaulicher Vortrag zum Thema „Alltag und Repräsentation des Adels im Mittelalter“ statt.


Fotocollage aus mittelalterlichen Objekten: Walter von Klingen, Codex Manesse 1315, Foto des Dreikönigsrings aus Meyenburg und Foto eines Aquamaniles aus Boitzenburg (Uckermark)
Fotocollage aus mittelalterlichen Objekten: Walter von Klingen, Codex Manesse 1315, Foto des Dreikönigsrings aus Meyenburg und Foto eines Aquamaniles aus Boitzenburg (Uckermark)

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich adelige Macht, Anspruch und Selbstverständnis jenseits gängiger Klischees tatsächlich äußerten – im Alltag ebenso wie in Architektur und Sachkultur.


Ausgangspunkt waren bekannte Bilder aus mittelalterlicher Literatur: prunkvolle Gewänder, goldene Gefäße, Burgen mit unzähligen Türmen und scheinbar unüberwindlichen Mauern. Lange Zeit wurden diese Beschreibungen wörtlich genommen und prägen bis heute unser Bild vom Mittelalter – nicht zuletzt durch Filme und Romane. Der Vortrag zeigte jedoch, dass diese Darstellungen weniger Realität als vielmehr Idealbilder waren. Lyriker und Chronisten arbeiteten mit festen Bildformeln und Topoi, um ein gewünschtes Selbstbild des Adels zu zeichnen.


Vor diesem Hintergrund stellte sich die zentrale Frage: Wie lebte der Adel tatsächlich? Wo, wie und warum wurde Reichtum gezeigt – und wann bewusst nicht? Anhand archäologischer Befunde, baulicher Strukturen und ausgewählter Beispiele wurde deutlich, dass Repräsentation gezielt eingesetzt wurde: zur Demonstration von Herrschaft, zur Abgrenzung, zur Legitimation von Macht. Architektur spielte dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Ausstattung, Raumfolgen oder die Inszenierung von Alltag und Fest.


Bedeutung für die Region und die Meyenburg


Besonderes Augenmerk lag auf der Frage, ob und wie sich diese Formen adeliger Selbstdarstellung auch in Brandenburg und konkret auf der Meyenburg nachweisen lassen. Der Vortrag machte deutlich, dass auch hier architektonische Details, Raumstrukturen und bauliche Entscheidungen Ausdruck von Status, Anspruch und sozialer Ordnung waren.


Damit eröffnete der Abend neue Perspektiven auf die Meyenburg: nicht nur als historisches Bauwerk, sondern als Ort, an dem sich über Jahrhunderte hinweg Macht, Alltag und Repräsentation verdichteten. Solche Einordnungen tragen dazu bei, regionale Geschichte differenziert zu verstehen – jenseits von Mythen, aber nah an den materiellen Spuren, die bis heute erhalten sind.


Rahmenprogramm


Referent des Abends war Dr. Christof Krauskopf, Mittelalterarchäologe beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Er ist Mitglied des Vorstands der Brandenburgischen Historischen Kommission sowie des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung e. V. Seine Promotion zur Sachkultur des mittelalterlichen Adels absolvierte er an der Universität Basel.


Der Vortrag stieß auf großes Interesse und war gut besucht. In angenehmer Atmosphäre bot der Abend nicht nur fachlich fundierte Einblicke, sondern auch Raum für Austausch und Fragen. Dr. Christof Krauskopf nahm sich im Anschluss Zeit für Gespräche mit dem Publikum. Für das leibliche Wohl war im Schloss Meyenburg ebenfalls gesorgt, sodass der Abend in entspannter Runde ausklingen konnte.




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