Workshop zu 'Technologische Lösungen' der 'Zeitschätze Prignitz digital’
Immersive Technologien testen und digitale Kulturformate kennenlernen
Im Workshop ‘Technologische Lösungen’ im Rahmen des Projektes ‘Zeitschätze Prignitz digital’ des Förderkeises der Prignitzer Museen e.V. hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, verschiedene Formate praktisch zu testen und kennenzulernen. Neben dem Austesten von Virtual und Augmented Reality wurden auch Gamification-Ansätze und Serious Games vorgestellt, die das Museumserlebnis durch spielerische Elemente bereichern.
Weiterhin wurden Audio- und Soundwalks thematisiert, die durch narrative und akustische Inhalte eine neue Art des Erlebens ermöglichen. Ein wichtiger Aspekt war auch die Gestaltung von Museumswebsites, die den Besucherinnen interaktive Erlebnisse und Informationen bieten. Zudem wurde die Bedeutung von digitaler Barrierefreiheit hervorgehoben, um sicherzustellen, dass digitale Inhalte für alle Nutzer*innen zugänglich sind. Abschließend wurde über Kulturhackathons diskutiert, bei denen interdisziplinäre Teams kreative digitale Lösungen für Museen entwickeln.

Virtual und Augmented Reality
Am Vormittag lag der Schwerpunkt auf dem Testen von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). VR lässt die Nutzer*innen vollständig in eine digitale Welt eintauchen, während AR digitale Informationen in die reale Umgebung einbindet. Best Practice Beispiele für die Arbeitsgruppe waren unter anderem Wessex Archaeology, das archäologische Stätten virtuell zugänglich macht und WDR Dom 360° VR, das eine virtuelle Erkundung des Kölner Doms ermöglicht. Für AR wurde das Augusta Raurica AR-Projekt präsentiert, das historische Orte durch 3D-Rekonstruktionen und Hörspiele lebendig macht, sowie die Curio Binoculars, die es ermöglichen, digitale Szenen in Freilichtmuseen durch spezielle Ferngläser zu erleben. Des Weiteren wurde WebXR vorgestellt, was es ermöglicht VR- und AR-Erlebnisse direkt im Webbrowser ohne zusätzliche Apps oder Downloads genießen können. Dies kann Museen helfen, ihre digitalen Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Gamification und Serious Games
Am Nachmittag stand die praktische Anwendung von Gamification im Museum im Fokus. Hier wurde gezeigt, wie spielerische Elemente wie digitale Schnitzeljagden und Multiplayer-Spiele genutzt werden können, um Besucher*innen stärker in die Ausstellungen einzubinden. Ein Best-Practice-Beispiel war der ‘Actionbound’ des Archäologische Parks Freyenstein, wo eine digitale Schnitzeljagd die Besucher*innen motiviert, Rätsel zu lösen und auf unterhaltsame Weise zu lernen.
Auch Serious Games wurden als effektive Lernwerkzeuge vorgestellt, die neben der Unterhaltung auch Bildungsinhalte vermitteln, etwa durch Simulationen oder strategische Spiele. Das Friedrich Ebert Spiel ist ein interaktives Lernspiel. Es ermöglicht den Nutzer*innen, die Lebensgeschichte von Friedrich Ebert, dem ersten Präsidenten der Weimarer Republik, spielerisch zu entdecken. Das Ziel des Spiels ist es, auf unterhaltsame Weise Wissen über die deutsche Geschichte zu vermitteln und Eberts Einfluss auf die Demokratie und den sozialen Fortschritt zu verdeutlichen.
Ein Beispiel für spielerische Entdeckung ist die Anwendung Ping! vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Diese interaktive App ermöglicht es Besucher*innen, mit Objekten in der Ausstellung zu “chatten”. Durch den Einsatz des Tensor-Flow-Moduls, einem fortschrittlichen Bilderkennungsalgorithmus, können Nutzerinnen ein Objekt fotografieren, das sie interessiert, und die App erkennt es automatisch.
Audio- und Soundwalks
Die Audio- und Soundwalks boten ein weiteres Best-Practice-Beispiel. Hier werden Besucher*innen durch Audioinhalte auf mobilen Geräten durch Ausstellungen oder historische Orte geführt. Die Lauschtour Grenzland-Radtour in der Prignitz zeigte, wie narrative Audiowalks eine emotionale und immersive Verbindung zu den Inhalten schaffen können. Soundwalks wiederum legen den Fokus stärker auf das akustische Erlebnis der Umgebung.
Die eigene Museumswebsite und Weberfahrungen
Die Gestaltung und Bereitstellung interaktiver, benutzerfreundlicher und ansprechender digitaler Erlebnisse auf einer Museumswebsite versetzt die Besucher*innen in die Lage, Ausstellungen virtuell zu erkunden, digitale Sammlungen zu durchstöbern und Lernressourcen zu nutzen. Multimediale Inhalte fördern eine aktive Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe. Ein Best-Practice-Beispiel für eine gelungene Weberfahrung ist das Permian Basin History Webprojekt. Diese interaktive Website ermöglicht es Besucher*innen, historische Artefakte und Ereignisse der Region Permian Basin virtuell zu erkunden. Mit ansprechenden 3D-Modellen und multimedialen Inhalten bietet die Seite eine immersive und benutzerfreundliche Möglichkeit, tiefer in die Geschichte der Region einzutauchen.
Eine gut strukturierte Website dient als zentrale digitale Plattform, die umfassende Informationen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und digitalen Angeboten bereitstellt. Sie erhöht die Reichweite des Museums, bindet Besucher*innen auch online und bietet zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten, unabhängig von einem physischen Besuch. Eine solche Website ist unverzichtbar für Museen, um ein breiteres, digitales Publikum zu erreichen. Ein Beispiel für eine umfassende Umsetzung ist der AMH Guide bzw. die Website des Archäologischen Museums Hamburg.
Digitale Barrierefreiheit
Die EU-Webseiten-Richtlinie (2016/2102) verpflichtet öffentliche Einrichtungen seit dem 23. September 2018, neue Webseiten barrierefrei zu gestalten. Für bestehende Webseiten gilt dies seit dem 23. September 2020. Ab dem 23. Juni 2021 müssen auch mobile Anwendungen barrierefrei sein. Die Webseiten müssen den Webcontent Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1, Level AA entsprechen, und eine Erklärung zur Barrierefreiheit sowie eine Kontaktmöglichkeit zur Meldung von Barrieren bereitstellen.
Ab 2025 erweitert das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die Anforderungen auf digitale Ausstellungssysteme (z. B. Informationsbildschirme), Selbstbedienungsterminals (z. B. Ticketautomaten), Online-Ticketing-Systeme sowie virtuelle Museen und Online-Sammlungen, um umfassende digitale Barrierefreiheit zu gewährleisten.
Kulturhackathons
Kulturhackathons sind innovative Veranstaltungen, bei denen Menschen aus verschiedenen Disziplinen — Entwickler*innen, Designer*innen, Kurator*innen, Storyteller*innen, Archäolog*innen und viele mehr — zusammenkommen, um gemeinsam an digitalen Projekten zu arbeiten. Ein Best-Practice-Beispiel ist Coding da Vinci, das den kreativen Umgang mit offenen Kulturdaten in den Mittelpunkt stellt.
In einer lockeren Atmosphäre und ohne Zeitdruck experimentieren die Teilnehmer*innen mit Datensätzen, um Prototypen zu entwickeln, die neue Möglichkeiten für Museen und kulturelle Institutionen schaffen. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem perfekten Ergebnis, sondern auf dem Erkenntnisgewinn und dem kreativen Prozess. Ziel ist es, digitale Lösungen zu entwickeln, die auf frei zugänglichen Daten basieren und Museen dabei unterstützen, ihre Inhalte zeitgemäß zu präsentieren.
Kulturhackathons bieten die Chance, kreative und interaktive Besuchererlebnisse zu entwickeln, digitale Barrierefreiheit zu erhöhen und neue Technologien in der Museumsarbeit zu testen. Durch die Zusammenarbeit entstehen innovative Ansätze, die über den Hackathon hinaus nachhaltig wirken und den kulturellen Sektor in Richtung Zukunft lenken.
Workshopergebnisse
In den Diskussionen des Workshops wurde deutlich, dass es zahlreiche Herausforderungen gibt, wenn es um die technischen Voraussetzungen und Infrastrukturen in vielen Museen geht. Häufig sind die bestehenden Systeme stark mit der Verwaltung verbunden, was die Implementierung neuer Technologien erschwert. Zudem bieten starre Website- und CMS-Baukästen oft wenig Flexibilität, um innovative, interaktive Formate zu integrieren. Um ein besseres Bild von der digitalen Infrastruktur der Arbeitsgruppe zu erhalten, wurde ein Fragebogen entwickelt, der im Rahmen der Digitalstrategie ausgewertet wird.
Trotz dieser Herausforderungen zeigte der Workshop, wie vielseitig moderne Technologien in der Museumsarbeit genutzt werden können. Von immersiven AR-Erlebnissen bis hin zu barrierefreien Webplattformen — digitale Formate ergänzen traditionelle Inhalte und bieten neue Möglichkeiten, das Besucher*innenerlebnis zu bereichern.
Der Austausch über Kulturhackathons unterstrich dabei, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit und kreatives Experimentieren sind, um zeitgemäße und flexible Lösungen zu entwickeln.


