Workshop Ergebnisse 'Neue Formate für die Zeitschätze Prignitz'
Aktualisiert: 13. Nov. 2025
Im Rahmen des Workshops ‚Herausforderungen verstehen, Chancen nutzen‘ wurden aus einer Vielzahl zu bearbeitender Themen drei zentrale Schwerpunkte herausgeschält, die sich als besonders relevant erwiesen und in einer Abstimmungsrunde die meisten Punkte erhielten: eine Radroute für die Zeitschätze, Augmented Reality-Angebote und eine kulinarische Zeitreise.

Es zeigte sich, dass diese Themen bereits seit einiger Zeit innerhalb der Arbeitsgruppe diskutiert wurden. Obwohl das Projekt primär auf die Entwicklung einer Digitalstrategie abzielt, waren diese Themen so präsent, dass sie als potenzielle Ausgangspunkte dienen, um analoge und digitale Angebotspakete für die Zeitschätze zu entwickeln. Mithilfe digitaler Technologien können sie angestoßen und umgesetzt werden, um die ‚Zeitschätze Prignitz‘ sichtbarer und erlebbarer zu machen.
Die Walt-Disney-Methode stellte sich hier als äußerst wertvoll heraus, da sie den Teilnehmenden ermöglichte, die drei Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und so eine umfassende Betrachtung vorzunehmen. Diese Kreativitätstechnik fordert die Teilnehmenden dazu auf, ein Thema aus drei Blickwinkeln — als Träumer, Realist und Kritiker — zu betrachten. So konnten sie visionäre Ideen entwickeln, praktische Umsetzungsmöglichkeiten diskutieren und mögliche Herausforderungen identifizieren. Diese strukturierte Methode hilft dabei, ambitionierte Konzepte realistisch und lösungsorientiert anzugehen und auch eventuelle Stolpersteine frühzeitig zu erkennen. Gerade bei der Betrachtung digitaler und analoger Potenziale der Zeitschätze bot die Walt-Disney-Methode die Grundlage, um zu erkennen, wie diese Ansätze innovativ und machbar gestaltet werden können.
1. Radroute: Ein Fahrraderlebnis durch die Prignitz
Träumer-Perspektive: Die Vision einer Radroute durch die Prignitz umfasst eine umfassend ausgebaute und durchgängige Strecke, die vom Elbe-Radweg abzweigt und die wichtigsten Zeitschatz-Standorte miteinander verbindet. Die Route sollte durch regelmäßige Stationen wie sanitäre Einrichtungen und Gastronomiebetriebe ergänzt werden, um ein komfortables Erlebnis zu bieten. „Bed & Bike“-Unterkünfte, E-Bike-Ladestationen und Fahrradständer an verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Bahnhöfen sollen den Bedürfnissen der Radtouristen gerecht werden. Geplant ist auch eine App, die Radfahrer*innen in Echtzeit über Points of Interest (POIs), den nächsten Rastplatz oder kulturelle Informationen zur Umgebung informiert. Die Route könnte zusätzlich durch besondere Attraktionen wie Wellnessangebote, Picknickservices oder interaktive Spielelemente ergänzt werden. Weitere Ideen waren die Bereitstellung spezieller Fahrräder (z.B. Liegefahrräder oder Lastenräder) und Regenwetteroptionen wie ein Shuttle-Service, der die Gäste mit ihren Fahrrädern und dem Gepäck transportiert.
Realist-Perspektive: Die realistische Umsetzung konzentriert sich darauf, die bestehenden Radwege zu verbessern, um Komfort und Sicherheit für die Radfahrer*innen zu erhöhen. Dazu gehört die Optimierung von Beschilderungen und die Integration der Route in das bestehende Radwegenetz der Prignitz. Zudem könnten bestehende Points of Interest durch informative Stationen und einfache Services wie Radreparatur-möglichkeiten ergänzt werden.
Kritiker-Perspektive: Die Kritiker wiesen auf Herausforderungen wie die unzureichende Infrastruktur entlang der Strecke hin. Es mangelt an durchgehenden Fahrradwegen, Ladestationen für E-Bikes sowie an gastronomischen Angeboten und stabilen Mobilfunknetzen, die zur Orientierung oder für Notfälle wichtig wären. Auch die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal an den Zeitschatz-Standorten sowie die Möglichkeiten zur Betreuung der Radfahrer*innen bei schlechtem Wetter wurden als potenzielle Hindernisse genannt.
2. Augmented Reality (AR)-Erlebnis: Geschichte digital erlebbar machen
Träumer-Perspektive: In dieser visionären Vorstellung nutzt das AR-Erlebnis die neueste Technologie, um die Besucher auf eine immersive Zeitreise mitzunehmen. AR-Anwendungen könnten es ermöglichen, historische Szenen direkt vor Ort sichtbar zu machen, sodass Besucher die Vergangenheit quasi „live“ erleben. Verschiedene Zeitschichten der Prignitz — etwa wie sich die Landschaft im Laufe der Jahrhunderte verändert hat — könnten so dargestellt werden. Eine interaktive Komponente wie Geocaching entlang der Route könnte die Erkundung spielerisch gestalten. Musik und spielerische Elemente könnten das Erlebnis zu einem ganzheitlichen Abenteuer machen.
Realist-Perspektive: Die realistische Umsetzung sieht den Einsatz animierter Rekonstruktionen vor, die historische Szenen und wichtige Ereignisse durch AR darstellbar machen, wie z.B. Schlachtpläne und Bauwerke. Hierfür wären gut aufbereitete, wissenschaftlich fundierte Inhalte notwendig, die durch Schulungen zur AR-Technologie erstellt werden könnten. Eine App oder Website, die das Erlebnis bündelt und den Zugang über mobile Geräte ermöglicht, würde die Nutzung vor Ort vereinfachen und es den Besuchern erlauben, die Geschichte auf innovative Weise zu erkunden.
Kritiker-Perspektive: Kritische Punkte bei der Umsetzung sind die hohen technischen Anforderungen und die laufenden Kosten für die Entwicklung und Wartung von AR-Anwendungen. Eine stabile Internetverbindung und ausreichende Stromversorgung stellen ebenfalls Herausforderungen dar, da viele Standorte keine durchgehende technische Infrastruktur haben. Weitere Bedenken sind der Wartungsaufwand für die AR-Inhalte, regelmäßige grafische Updates, die Sicherstellung der digitalen Barrierefreiheit und Motion-Sickness-Probleme, die die Nutzerfreundlichkeit beeinträchtigen könnten.
3. Eine kulinarische Zeitreise: Regionale Küche und Erlebnisse entlang der Zeitschätze
Träumer-Perspektive: Der kulinarische Teil soll den Besucher*innen eine „Geschmackserlebnisreise“ bieten. An jedem Zeitschatz-Standort könnten spezielle Menüs angeboten werden, die regionale Rezepte und saisonale Zutaten verwenden. Vorstellbar wären Workshops mit renommierten Köchen, die traditionelle Gerichte vorstellen, oder Kochkurse, bei denen die Teilnehmenden die Speisen selbst zubereiten können. Automaten mit regionalen Snacks oder fertig vorbereitete Picknickkörbe könnten an verschiedenen Stellen bereitstehen. Eine weitere Idee war die Zusammenarbeit mit Sozialprojekten, bei der beispielsweise Lebensmittelspenden für lokale Einrichtungen gesammelt werden könnten.
Realist-Perspektive: Eine realistische Umsetzung könnte durch Partnerschaften mit regionalen Produzenten erreicht werden, die ihre Produkte in Zusammenarbeit mit den Zeitschatz-Standorten anbieten. Wettbewerbe oder kulinarische Events, die das regionale Angebot in den Vordergrund rücken, könnten eine Möglichkeit sein, die Attraktivität der Region zu steigern. Ein Kochbuch mit traditionellen Rezepten oder kleine Mitmachaktionen, die die Gäste einbeziehen, könnten das Angebot abrunden und langfristig etablieren.
Kritiker-Perspektive: Kritische Punkte sind hier die Sichtbarkeit und Vermarktung der Angebote, da nicht alle Standorte eine hohe Besucherfrequenz aufweisen. Die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal für die kulinarischen Angebote und die kontinuierliche Pflege der Qualität wurden ebenfalls als Herausforderungen genannt. Eine starke Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern ist notwendig, um die kulinarischen Erlebnisse zu entwickeln und die Qualität dauerhaft zu gewährleisten.
Ausblick für zukünftige Arbeit
Die Ergebnisse der Walt-Disney-Methode haben wertvolle Perspektiven für die digitale und analoge Entwicklung der ‘Zeitschätze Prignitz’ geliefert. Dabei gilt es zu beachten, dass die eigentliche Zielsetzung der in diesem Jahr zu erstellenden Digitalstrategie die Rahmenbedingungen und strukturelle Ausrichtung festlegen soll — die Entwicklung der konkreten Angebote jedoch nicht deren primäres Ziel ist. Stattdessen sollte die Weiterentwicklung der identifizierten Themen parallel zur Digitalstrategie vorangetrieben werden, um möglichst rasch erste Ergebnisse sichtbar zu machen und das Potenzial der Zeitschätze besser auszuschöpfen.
In den nächsten Schritten wird es daher darum gehen, Prototypen für digitale Formate wie die ein digitales Quiz, AR-Erlebnisse zu entwickeln und notwendige Partnerschaften zu etablieren, um die Radroute und das kulinarische Angebot an den Standorten gezielt zu stärken. Ebenso wichtig ist der weitere Ausbau der Koordination zwischen den Standorten, um gemeinsame Strategien zu schaffen, die Synergien nutzen und Ressourcen effizient einsetzen. Eine enge Zusammenarbeit mit technischen Fachkräften und regionalen Partnern wird entscheidend sein, um die Infrastruktur und die Inhalte nachhaltig und benutzerfreundlich zu gestalten. Ziel ist es, ein umfassendes Erlebnisangebot zu entwickeln, das die Prignitz als kulturelle Destination stärkt und ein breites Publikum anspricht.


